Regionaler Käse aus Deutschland: Sorten, Regionen und Genuss

Regionaler Käse aus Deutschland umfasst rund 150 traditionelle Sorten, davon 8 mit EU-Herkunftsschutz. Die wichtigsten Käseregionen sind das Allgäu, der Harz, Hessen, Ostfriesland und Thüringen. Jede Region prägt eigene Herstellungsverfahren, Reifezeiten und Aromaprofile aus regionaler Rohmilch.

📋 Kurz zusammengefasst

Deutschland produzierte 2024 rund 2,68 Millionen Tonnen Käse und ist damit größter Käseproduzent Europas. Acht regionale Sorten tragen den EU-Schutz „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.), darunter Allgäuer Bergkäse, Allgäuer Emmentaler, Altenburger Ziegenkäse, Odenwälder Frühstückskäse, Allgäuer Weißlacker, Nieheimer Käse, Hessischer Handkäse und Holsteiner Tilsiter. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt stabil bei rund 25 Kilogramm pro Jahr. Die stärksten Käseregionen sind das Allgäu, der Harz, Hessen, Ostfriesland und Thüringen.

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Was macht regionalen Käse aus Deutschland aus?

Regionaler Käse aus Deutschland zeichnet sich durch drei Merkmale aus: die Rohstoffherkunft aus einer definierten geografischen Region, das überlieferte Herstellungsverfahren und die geschützte Rezeptur. Herstellung, Reifung und teilweise auch die Milchgewinnung müssen innerhalb der geschützten Region stattfinden.

Der Begriff „regionaler Käse“ wird in Deutschland auf zwei Ebenen definiert. Die erste Ebene ist die EU-Verordnung 1151/2012 über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse, die drei Schutzstufen kennt: geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), geschützte geografische Angabe (g.g.A.) und garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.). Die zweite Ebene ist die regionale Tradition ohne formalen EU-Schutz, etwa bei Bayerischem Bierkäse oder Nordhessischer Sauermilchkäse-Produktion.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter zählt aktuell rund 150 traditionelle deutsche Käsesorten. Davon tragen laut EU-Register „eAmbrosia“ acht Sorten den höchsten Schutzstatus g.U. Vier weitere Käse besitzen den g.g.A.-Status, unter anderem der Allgäuer Sennalpkäse (seit 1997) und der Nieheimer Käse als besondere Sauermilchkäse-Spezialität aus Ostwestfalen.

Die geographische Konzentration ist auffällig: Das Allgäu allein stellt mit Bergkäse, Emmentaler, Weißlacker und Sennalpkäse vier der zwölf EU-geschützten deutschen Käse. Diese Dichte erklärt sich historisch durch die Alpwirtschaft und die im 19. Jahrhundert aus der Schweiz importierten Herstellungsverfahren.

Welche Käseregionen sind in Deutschland führend?

Führend sind fünf Käseregionen: das Allgäu (Hart- und Schnittkäse), der Harz (Sauermilchkäse), Hessen (Handkäse), Ostfriesland (Tilsiter-Erbe) und Thüringen (Ziegenkäse). Jede Region hat eigene Produktionsstrukturen, Vermarktungswege und geschützte Leitsorten.

Das Allgäu ist die produktionsstärkste Käseregion Deutschlands. In Bayerisch-Schwaben und dem angrenzenden Baden-Württemberg werden jährlich rund 100.000 Tonnen Käse produziert, überwiegend Hart- und Schnittkäse. Die Region beheimatet vier der acht deutschen g.U.-Käse und rund 40 handwerkliche Sennalpen, die auf traditioneller Almwirtschaft basieren. Vertiefung im Cluster-Artikel Allgäuer Spezialitäten.

Der Harz ist Heimat des berühmtesten Sauermilchkäses Europas. Der Harzer Käse wird aus entrahmter Sauermilch hergestellt, enthält nur rund 0,5 Prozent Fett und rund 30 Prozent Eiweiß. Die geografische Ursprungsangabe „Harzer Roller“ ist markenrechtlich, aber nicht EU-rechtlich geschützt. Vertiefung im Cluster-Artikel Harzer Käse.

Hessen steht für Handkäse mit Musik, eine Sauermilchkäse-Sorte, die traditionell mit Zwiebeln, Essig und Kümmel serviert wird. Der Hessische Handkäse ist seit 2011 als g.g.A. geschützt und wird ausschließlich in bestimmten hessischen Landkreisen produziert. Der Cluster-Beitrag Handkäse mit Musik beschreibt Rezept und Herkunft.

Ostfriesland und Schleswig-Holstein bilden das norddeutsche Käsezentrum. Der Holsteiner Tilsiter genießt seit 2013 den g.U.-Status als geschützte Ursprungsbezeichnung. Die norddeutsche Molkereitradition prägt Weichkäse, Schnittkäse und die Butterkäse-Produktion. Thüringen steht für den Altenburger Ziegenkäse, den einzigen deutschen Ziegenkäse mit g.U.-Status seit 1997.

💡 Expert Insight

Die Käseregionen unterscheiden sich nicht nur durch Sorten, sondern durch Herstellungslogik. Alpen- und Voralpenregionen setzen auf Hartkäse mit langen Reifezeiten (6–24 Monate), weil die Sommermilch der Almkühe traditionell haltbar gemacht werden musste. Mittelgebirgs- und Tieflandregionen wie Harz oder Hessen entwickelten Sauermilchkäse als eiweißreichen, magerarmen Käse mit kurzer Reifung (5–14 Tage) — eine Konservierungsstrategie für Milchüberschüsse ohne Alp-Infrastruktur. Wer regionalen Käse einordnen will, beginnt mit dieser Geografie: Fettgehalt, Reifezeit und Salzgehalt folgen den historischen Bedingungen der Region.

Welche regionalen Käsesorten sollte man kennen?

Zehn regionale Sorten prägen das deutsche Käse-Panorama: Allgäuer Bergkäse, Allgäuer Emmentaler, Weißlacker, Sennalpkäse, Harzer Käse, Handkäse mit Musik, Altenburger Ziegenkäse, Nieheimer Käse, Odenwälder Frühstückskäse und Holsteiner Tilsiter. Jede Sorte hat eine eigene Herstellungssignatur.

Allgäuer Bergkäse (g.U. seit 1996) ist ein Hartkäse aus silofreier Kuh-Rohmilch, mindestens vier Monate gereift, mit charakteristischer würzig-nussiger Note. Die Herstellung ist auf die Allgäuer Landkreise Ober-, Unter- und Ostallgäu sowie Lindau begrenzt. Details im Cluster-Beitrag Allgäuer Bergkäse.

Allgäuer Emmentaler (g.U. seit 1996) reift mindestens drei Monate und trägt die charakteristischen kirschgroßen Löcher, die durch Kohlendioxid der Propionsäure-Bakterien während der Reifung entstehen. Ausführliche Sortenkunde: Allgäuer Emmentaler.

Allgäuer Weißlacker (g.U. seit 2015) ist der schärfste deutsche Käse. Er reift ohne Rinde in Salzlake und entwickelt einen extrem würzigen, ammoniakhaltigen Geschmack — daher der Beiname „Bierkäse“. Vertiefung: Weißlacker.

Harzer Käse ist ein magerer Sauermilchkäse mit rund 0,5 Prozent Fett und rund 30 Prozent Eiweiß pro 100 Gramm. Er wird aus Sauermilchquark hergestellt und bildet eine gelb-orange Reifekruste durch Rotschmiere-Bakterien. Vertiefung: Harzer Käse.

Handkäse mit Musik ist Hessischer Handkäse (g.g.A.), traditionell mit einer Marinade aus Zwiebeln, Essig, Öl und Kümmel serviert. Die „Musik“ bezeichnet die Zwiebeln und die spätere Verdauungswirkung. Vertiefung: Handkäse mit Musik.

Altenburger Ziegenkäse (g.U. seit 1997) wird in Thüringen aus einer Mischung von Kuh- und Ziegenmilch hergestellt (mindestens 15 Prozent Ziegenmilch). Er reift 14–21 Tage, hat einen milden, leicht säuerlichen Geschmack und wird oft mit Kümmel gewürzt.

Nieheimer Käse (g.g.A. seit 2010) ist ein Sauermilchkäse aus Ostwestfalen, der auf Hopfenblättern gereift wird — eine Konservierungsmethode aus dem 16. Jahrhundert. Rund 1,2 Millionen Stück werden jährlich noch produziert.

Odenwälder Frühstückskäse (g.U. seit 1997) ist ein Weichkäse aus dem Odenwald, der als kleiner Laib mit weißer Edelschimmel-Rinde reift und einen milden, leicht pikanten Geschmack entwickelt.

Holsteiner Tilsiter (g.U. seit 2013) ist ein halbfester Schnittkäse mit unregelmäßiger Lochung, ursprünglich in Ostpreußen entwickelt und nach 1945 als Käsetradition in Schleswig-Holstein etabliert.

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Was bedeuten g.U., g.g.A. und g.t.S. beim Käse?

Die drei EU-Schutzstufen definieren, wie eng ein Käse an eine Region gebunden ist. G.U. verlangt vollständige Produktion in der Region, g.g.A. verlangt mindestens einen Produktionsschritt in der Region, g.t.S. schützt nur ein traditionelles Rezept ohne Regionsbindung.

Die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) ist der strengste Schutz. Alle Produktionsstufen — Milchgewinnung, Käseherstellung, Reifung — müssen innerhalb des definierten geografischen Gebiets erfolgen. Bei Allgäuer Bergkäse etwa darf ausschließlich silofreie Rohmilch von Kühen aus den vier Allgäuer Landkreisen verarbeitet werden. Diese Regel schützt die spezifische Grasnarbe und die daraus resultierende Milchqualität.

Die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) ist eine schwächere Schutzform. Mindestens eine Produktions- oder Verarbeitungsstufe muss im geografischen Gebiet stattfinden, die anderen dürfen anderswo erfolgen. Der Allgäuer Sennalpkäse etwa ist g.g.A., weil die Milch nicht zwingend aus dem Allgäu stammen muss, die Herstellung aber auf Allgäuer Sennalpen erfolgt.

Die garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) schützt ein Rezept, nicht eine Region. Kein deutscher Käse trägt derzeit das g.t.S.-Siegel. Das bekannteste europäische Beispiel ist die Mozzarella-Herstellungstradition, die EU-weit g.t.S. ist.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Der Zusatz „nach Allgäuer Art“ oder „Tilsiter-Art“ auf Verpackungen ist kein Herkunftsschutz. Diese Bezeichnungen sind rechtlich zulässig, auch wenn der Käse außerhalb der geschützten Region produziert wurde. Achte immer auf das EU-Siegel g.U. oder g.g.A. auf der Verpackung, wenn regionale Herkunft entscheidend ist. Das rot-gelbe g.U.-Logo und das blau-gelbe g.g.A.-Logo sind gesetzlich geschützt.

Wie wird regionaler Käse hergestellt?

Die Käseherstellung folgt sieben Grundschritten: Milchgewinnung, Vorreifung, Zugabe von Lab oder Milchsäurebakterien, Dickung, Bruchbereitung, Formung und Reifung. Regionale Sorten unterscheiden sich vor allem in der Milchart, den Bakterienkulturen und der Reifedauer.

Die Milchgewinnung definiert die Basis des regionalen Charakters. Silofreie Rohmilch bedeutet, dass die Kühe ausschließlich frisches Gras (Sommer) oder Heu (Winter) fressen, keine vergorenen Silage-Futtermittel. Diese Fütterung ist bei allen g.U.-Hartkäsen im Allgäu Pflicht. Sie verhindert die Bildung von Buttersäure-Bakterien, die bei langer Reifung zu Fehlaromen führen können.

Die Dickung erfolgt entweder durch Lab (Enzym aus dem Kälbermagen) für Hart- und Schnittkäse, durch Milchsäurebakterien für Frischkäse und Sauermilchkäse, oder durch eine Kombination beider Verfahren. Sauermilchkäse wie Harzer oder Handkäse entstehen ausschließlich durch Milchsäuregärung — sie enthalten kein Lab und sind damit vegetarisch.

Die Reifung unterscheidet die Sorten stärker als jede andere Prozessstufe. Frischkäse hat keine Reifung. Weichkäse reift 2–6 Wochen. Schnittkäse reift 4 Wochen bis 6 Monate. Hartkäse reift 6 Monate bis mehr als 2 Jahre. Für den sauberen Anschnitt eines langgereiften Hartkäses am Tisch empfiehlt sich ein passendem Käsemesser-Set* mit spezialisierten Klingen für Hart-, Schnitt- und Weichkäse. Die Reifedauer bestimmt Trockenmasse, Aromatiefe, Konsistenz und Preis. Ein 24 Monate gereifter Allgäuer Bergkäse kostet drei- bis viermal so viel wie derselbe Käse nach vier Monaten Reifung.

Die Bakterienkulturen sind die regionale Signatur. Propionsäure-Bakterien erzeugen die Löcher im Emmentaler. Rotschmiere-Bakterien geben Weißlacker und Harzer die orange-braune Rinde und den würzigen Geruch. Edelschimmel-Kulturen (Penicillium candidum, Penicillium roqueforti) prägen Weichkäse und Blauschimmel-Käse.

Wo kauft man regionalen Käse am besten?

Drei Bezugsquellen liefern verlässlich regionale Qualität: Hofläden und Sennereien in der Herkunftsregion, spezialisierte Käsegeschäfte in Städten sowie Online-Käsehändler mit Kühl-Logistik. Wochenmärkte und gut sortierte Käsetheken im Einzelhandel bilden die vierte Ebene.

Der Direktkauf beim Erzeuger bietet die höchste Frische und die klarste Herkunftsnachweisführung. Auf Allgäuer Sennalpen wird der Käse oft noch am selben Tag der Herstellung verkauft. Der Milchindustrie-Verband listet auf seiner Website „milchtankstelle.de“ rund 900 aktive Milch- und Käse-Direktvermarkter in Deutschland (Stand 2025).

Spezialisierte Käsegeschäfte in Städten führen 100–400 verschiedene Sorten und beraten zu Reifegraden, Herkunft und Pairing. Bekannte Adressen sind Maître Philippe in Berlin (rund 300 Sorten), Käsehaus Wagner in München und die Käsehandlung Fresh Cheese in Frankfurt.

Online-Käsehändler versenden regionale Käse in isolierten Kühlboxen mit Trockeneis oder Kühlakkus. Die Zustellung dauert 24–48 Stunden per Express-Versand. Bekannte Anbieter sind kaeseladen.de, kaesejungs.de und alpwirtschaft.de. Achte auf den Versand-Wochenrhythmus: Viele Anbieter versenden nur Montag bis Mittwoch, damit die Ware nicht über das Wochenende in der Logistik-Kette liegt.

Wochenmärkte bieten regionale Käse aus umliegenden Molkereien und Höfen. In den vier größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München und Köln existieren zusammen rund 180 Wochenmarkt-Termine pro Woche. In gut sortierten Käsetheken großer Supermärkte (Edeka, Rewe, Kaufland, Marktkauf) sind die wichtigsten g.U.-Käse ganzjährig verfügbar.

Welche Getränke passen zu regionalem Käse?

Die klassischen Pairings folgen drei Regeln: regionale Herkunft (Käse und Getränk aus derselben Region), aromatische Komplementarität (mild zu leicht, kräftig zu vollmundig), und Säure-Balance (fetter Käse verlangt säurehaltigen Wein oder Cidre).

Zu Allgäuer Hartkäse passen trocken ausgebaute Weißweine wie Grauer Burgunder aus Baden oder Silvaner aus Franken. Der reife Allgäuer Bergkäse harmoniert mit einem gereiften Riesling, der die Würze aufnimmt ohne zu dominieren. Bier-Pairing: helles Weizenbier oder ein bernsteinfarbenes Vienna Lager.

Zu Sauermilchkäsen wie Harzer oder Handkäse passen kräftige Biere aus der jeweiligen Region — im Harz Braunbier, in Hessen Apfelwein („Ebbelwoi“) als klassisches Pairing. Der säuerliche Apfelwein balanciert den strengen Käse-Geschmack. Wein-Pairing: trockener Weißburgunder oder ein leichter Chardonnay.

Zu Weißlacker und Bierkäse passen ausschließlich kräftige Biere: Doppelbock, Rauchbier oder ein gereiftes Barley Wine. Die extreme Würze des Weißlacker überfordert die meisten Weine. Die traditionelle bayerische Kombination ist Weißlacker mit Brezn und einem dunklen Doppelbock wie Ayinger Celebrator oder Salvator. Für die Präsentation am Tisch bietet sich ein Käsemesser-Set mit Servierblock von ROMINOX* an, der Käsebesteck und Servierbrett vereint.

Zu Altenburger Ziegenkäse passen leichte, fruchtige Weißweine wie Sauvignon Blanc aus Sachsen oder ein trockener Müller-Thurgau. Die dezente Ziegennote wird durch die Säure des Weins gestützt.

Wie erkennt man Qualität bei regionalem Käse?

Vier Qualitätsmerkmale entscheiden: EU-Siegel (g.U. oder g.g.A.), Rohmilch- statt Wärmebehandlung, sichtbare Reifedauer auf dem Etikett, und die Sensorik am Käsestück selbst (Rinden-Beschaffenheit, Farbe, Geruch, Textur).

Das EU-Herkunftssiegel ist der wichtigste formale Qualitätsindikator. Das rot-gelbe g.U.-Logo garantiert vollständige regionale Produktion. Das blau-gelbe g.g.A.-Logo garantiert mindestens einen regionalen Produktionsschritt. Ohne diese Siegel darf auch „Allgäuer Bergkäse“ oder „Harzer“ auf der Packung stehen — bei g.U.-Sorten ist das nur mit Siegel rechtlich abgesichert.

Rohmilchkäse gilt als Qualitätsklasse über wärmebehandeltem Käse. Rohmilch bewahrt die milcheigenen Aromastoffe und Bakterienkulturen der Weide, was komplexere Reifearomen erzeugt. Alle Allgäuer g.U.-Hartkäse sind Rohmilchkäse. Achte auf die Kennzeichnung „aus Rohmilch“ oder „au lait cru“ auf der Packung.

Die Reifedauer muss auf hochwertigen Käsen angegeben sein. Bei Allgäuer Bergkäse sind die Stufen: 4 Monate (jung), 6–8 Monate (mittel), 12 Monate (rezent), 18–24 Monate (rezent-reif). Je länger die Reifung, desto konzentrierter das Aroma und desto höher der Preis.

Die Sensorik am Käsestück zeigt Qualität sofort. Die Rinde soll sauber, gleichmäßig gefärbt und trocken sein (bei Hartkäse) oder gleichmäßig weißlich (bei Edelschimmel-Käse). Der Käseteig zeigt bei Hartkäse eine gleichmäßig gelbe Farbe ohne Risse. Der Geruch soll typisch für die Sorte sein — würzig-nussig bei Hartkäse, mild-buttrig bei Weichkäse, streng bei Rotschmiere-Käse. Ammoniak-Note ist bei Weißlacker gewollt, bei anderen Sorten ein Zeichen für Überreifung. Wer die Sensorik systematisch erlernen will, findet im TEUBNER Handbuch Käse* eine strukturierte Sortenkunde mit Verkostungs-Vokabular.

💬 Meine Einschätzung

Die gängige Annahme lautet: regionaler Käse ist Nischenprodukt. Die Zahlen sagen das Gegenteil. Deutschland ist mit 2,68 Millionen Tonnen Produktion Europas größter Käseproduzent, und die acht g.U.-Käse decken zusammen einen Marktanteil, der die Bio-Käse-Sparte übersteigt. Der eigentliche Engpass ist nicht die Produktion, sondern die Sichtbarkeit im Handel. Wer regionale Käse in den nächsten Jahren wachsen sehen will, muss die Käsetheken der großen Supermarktketten beobachten — Rewe und Edeka haben ihr g.U.-Sortiment seit 2023 messbar ausgebaut, während Discounter noch weit hinterherhinken. Für Verbraucher heißt das: die beste Sortiments-Tiefe gibt es weiterhin beim Fachhändler oder Direktvermarkter, aber die Discount-Käsetheke wird in den kommenden 24 Monaten aufholen.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland ist Europas größter Käseproduzent mit rund 2,68 Millionen Tonnen Jahresproduktion
  • Acht regionale Käse tragen das strengste EU-Siegel g.U., vier weitere das g.g.A.-Siegel
  • Fünf Käseregionen dominieren: Allgäu, Harz, Hessen, Ostfriesland/Schleswig-Holstein, Thüringen
  • Pro-Kopf-Verbrauch stabil bei rund 25 Kilogramm pro Jahr
  • Beste Bezugsquellen: Direktvermarkter (Milchtankstellen-Register mit 900+ Adressen), Käsefachhandel, Online-Käsehändler mit Kühl-Express
  • Qualitätssiegel-Check: rot-gelbes g.U.-Logo, Rohmilch-Kennzeichnung, angegebene Reifedauer
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Häufige Fragen zu regionalem Käse aus Deutschland

Wie viele Käsesorten gibt es in Deutschland?

Deutschland produziert rund 150 traditionelle Käsesorten. Davon tragen acht Sorten den EU-Schutz g.U. (geschützte Ursprungsbezeichnung), vier weitere den Schutz g.g.A. (geschützte geografische Angabe). Die Gesamtzahl der Handels-Käse — inklusive Varianten und Molkerei-Marken — liegt bei über 500.

Was ist der bekannteste regionale Käse aus Deutschland?

Der Allgäuer Bergkäse ist der bekannteste regionale Käse mit EU-Herkunftsschutz. Er ist seit 1996 als g.U. geschützt und stammt aus den vier Allgäuer Landkreisen. Der Allgäuer Emmentaler und der Harzer Käse teilen sich Rang zwei und drei nach Bekanntheitsgrad.

Welcher regionale Käse hat den geringsten Fettgehalt?

Der Harzer Käse ist der magerste regionale Käse in Deutschland. Er enthält rund 0,5 Prozent Fett und rund 30 Prozent Eiweiß pro 100 Gramm. Damit ist er einer der proteinreichsten und kalorienärmsten Käse überhaupt — rund 125 Kilokalorien pro 100 Gramm.

Kann man regionale Käse online kaufen?

Regionale Käse werden online über spezialisierte Käsehändler mit Kühl-Express-Logistik versandt. Anbieter wie kaeseladen.de, kaesejungs.de oder alpwirtschaft.de versenden in isolierten Kühlboxen mit Trockeneis oder Kühlakkus. Die Zustellung erfolgt in 24–48 Stunden, typischerweise Montag bis Mittwoch, um Wochenend-Standzeiten zu vermeiden.

Was bedeutet g.U. auf einem Käse?

G.U. steht für „geschützte Ursprungsbezeichnung“ und ist das strengste EU-Schutzsiegel für regionale Lebensmittel. Käse mit g.U.-Siegel wurden komplett — Milchgewinnung, Herstellung und Reifung — innerhalb des definierten geografischen Gebiets produziert. Das rot-gelbe Logo ist gesetzlich geschützt und garantiert die regionale Herkunft aller Produktionsschritte.

Quellen und weiterführende Literatur

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